Zwei Bauweisen, eine Fahrzeugwaage
Auch nach über 115 Jahren Erfahrung entstehen immer wieder Projekte, die neue Lösungen erfordern. Bei einem aktuellen Projekt in Kamp-Lintfort haben wir erstmals eine Fahrzeugwaage realisiert, die zwei Bauweisen in einer Anlage kombiniert.
Die Ausgangslage
Die Firma L&J Recycling aus Kamp-Lintfort benötigte für ihr Recyclingunternehmen eine neue Fahrzeugwaage. Das Unternehmen verarbeitet mineralische Materialien wie Bauschutt, Beton und Straßenaufbruch und bereitet diese zu Recyclingbaustoffen auf.
Für einen solchen Betrieb ist eine zuverlässige Verwiegung ein wichtiger Bestandteil der täglichen Abläufe. Materialeingänge und Materialausgänge müssen genau erfasst, dokumentiert und abgerechnet werden. Gleichzeitig stellt die Umgebung besondere Anforderungen an Fahrzeugwaagen. Schmutz, Wasser, Schlamm und hohe Belastungen gehören in der Entsorgungs- und Recyclingbranche häufig zum Arbeitsalltag. Daher ist bei der Planung einer neuen Fahrzeugwaage wichtig zu beachten, welche Bedingungen vor Ort herrschen.
Warum Fahrzeugwaagen in Entsorgung und Recycling unverzichtbar sind
LKW-Waagen dienen in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben unter anderem der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, fairer Gewichts- und Abrechnungsermittlung und der Dokumentation von Materialströmen.
Typische Einsatzorte können zum Beispiel Wertstoffhöfe, Verbrennungsanlagen, Deponien oder Recyclingunternehmen sein.
Mehr Infos zu Waagen in der Entsorgungs- und Recyclingbranche
Unterflur oder Überflur: Welche Bauweise eignet sich?
Grundsätzlich ist die Montage von Unterflur- als auch Überflurwaagen, sowie als Beton und Stahlvariante möglich. Beide Bauweisen haben unterschiedliche Vorteile und müssen passend zum jeweiligen Standort geplant und an die vor Ort herrschenden Bedingungen angepasst werden.
Unterflurwaagen werden ebenerdig in den Boden eingebaut. Dadurch werden keine zusätzlichen Rampen benötigt und die Rangiermöglichkeit erleichtert. Diese Waagen eignen sich besonders bei begrenztem Platz und ermöglichen die Integration in bestehende Verkehrsflächen. Beim Einsatz von Unterflurwaagen ist jedoch zu beachten, dass diese Bauart bei unzureichender oder unregelmäßiger Reinigung, verstopften Entwässerungsrohren oder starken Regenfällen anfälliger für Wasser- und Schmutzansammlungen in der Waagengrube sein kann.
Aus diesem Grund können Überflurwaagen sinnvoll sein, da sie konstruktionsbedingt weniger gefährdet sind. Sie werden oberhalb des Geländeniveaus montiert und über Rampen befahren. Sie bieten eine gute Zugänglichkeit und können Service- oder Reinigungsarbeiten erleichtern. Gleichzeitig benötigt diese Bauform jedoch mehr Platz: Durch Rampen vor und hinter der Waage kann sich die reine Waagenanlage – je nach Waagenlänge – auf rund 24 Meter verlängern. Da LKWs möglichst gerade auf die Waage auffahren und sie ebenso gerade wieder verlassen müssen, ist insgesamt eine deutlich größere Rangier- und Aufstellfläche erforderlich.
Die Herausforderung vor Ort
Bei diesem Projekt hätte der Platzbedarf für eine klassische Überflurwaage bei rund 54 Metern gelegen. Auf dem vorhandenen Firmengelände war diese Bauweise aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse nicht realisierbar. Eine klassische Überflurwaage kam daher nicht infrage.
Stattdessen wurde eine Unterflurvariante in Betracht gezogen, die mehrere Anforderungen verbinden sollte: eine platzsparende Integration in das bestehende Gelände, verbesserten Schutz vor Schmutz- und Wasseransammlungen sowie eine bessere Zugänglichkeit innerhalb der Waagengrube.
Die Lösung für unseren Kunden
Die Lösung bestand in der Planung einer Unterflurwaage mit höherer Waagengrube und erhöhten Betonsockeln. Dadurch konnten die Vorteile unterschiedlicher Bauweisen miteinander kombiniert werden.
Die Anlage nutzt die kompakte und stabile Bauform einer Flachwaage, bietet innerhalb der Waagengrube jedoch die Vorteile einer tieferen Waagengrube mit mehr Arbeitshöhe. Gleichzeitig sorgen höhere Betonsockel dafür, dass Wägezellen und elektronische Anbauteile besser vor direktem Kontakt mit Wasser, Schlamm und Schmutz geschützt sind.
Somit entsteht eine individuelle Lösung, die platzsparend in das vorhandene Gelände integriert werden kann und zugleich auf die besonderen Bedingungen eines Recyclingbetriebs ausgelegt ist.
Der technische Unterschied: die Kombination aus Flachwaage und Tiefwaage
Bei Unterflur-LKW-Waagen wird zwischen flachen und tieferen Bauarten unterschieden. Flachwaagen besitzen häufig eine zweigeteilte Brücke und sind je nach Ausführung mit mehr Wägezellen ausgestattet. Aus unserer Sicht bieten sie eine hohe Zuverlässigkeit und eine gute Haltbarkeit des Betons. Der Nachteil liegt jedoch in der geringeren Arbeitshöhe innerhalb der Waagengrube.
Tiefere Fahrzeugwaagen dagegen bieten mehr Platz und erleichtern somit Reinigungs- und Servicearbeiten. Diese Waagen werden meist nur mit vier Wägezellen ausgestattet. Bei längerer Nutzung kann dies zur Durchbiegung der Fahrzeugwaagenbrücke führen. Dies kann unter Umständen ebenfalls Auswirkungen auf die Stabilität und Messgenauigkeit haben.
Höhere Betonsockel zum Schutz der Wägezellen
Eine weitere Besonderheit dieser Anlage sind die höheren Betonsockel in der Waagengrube. Sie markieren die Bereiche, an denen im weiteren Verlauf die Wägezellen eingebaut werden. Bei der Restmontage wird jede Wägezelle auf einem Betonsockel platziert. Je nach Bauweise werden somit vier oder acht Wägezellen eingesetzt. Entsprechend wird auch diese Anzahl an Betonsockel geplant.
Bei Service-, Wartungs- und Reparaturarbeiten zeigt sich immer wieder mal, dass einige Fahrzeugwaagen nur mit sehr niedrigen oder komplett ohne Betonsockel ausgestattet sind. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass elektronische Bauteile selbst bei geringen Wasser- oder Schlammmengen direkt mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen oder sogar längere Zeit im Wasser stehen. Dies kann die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit der Waage beeinträchtigen.
Höhere Betonsockel beugen diesem Problem durch die erhöhte Lage der Wägezellen vor und reduzieren somit das Risiko von Korrosion, witterungsbedingten Schäden und möglichen Messfehlern.
Überall, wo mit Feuchtigkeit oder stärkeren Verschmutzungen gerechnet werden muss, wie in der Entsorgungs- und Recyclingbranche, sind erhöhte Betonsockel deshalb besonders sinnvoll. Sie ersetzen keine regelmäßige Reinigung, können aber als zusätzliche Präventionsmaßnahme zur Langlebigkeit der Waage beitragen.
Bei der Planung einer LKW-Waage sollte daher auch immer eine gute Entwässerung der Waagengrube berücksichtigt werden. Gerade bei Starkregen, verstopften Leitungen oder hoher Schmutzbelastung kann sich Wasser unbemerkt in der Grube sammeln. Eine regelmäßige Reinigung der Waage und insbesondere der Waagengrube bleibt daher unverzichtbar.
Die Vorteile der kombinierten Fahrzeugwaage im Überblick:
Durch die Kombination aus Flachwaage und tiefer Fahrzeugwaage, werden die Vorteile beider Bauweisen zusammengeführt:
- platzsparende Integration in das bestehende Betriebsgelände
- keine langen Rampen wie bei einer klassischen Überflurwaage erforderlich
- bessere Arbeitshöhe innerhalb der Waagengrube
- bessere Zugänglichkeit bei Service-, Wartungs- und Reinigungsarbeiten
- höhere Betonsockel zum besseren Schutz der Wägezellen
- direkter Kontakt mit Wasser, Schlamm und Schmutz wird deutlich reduziert
- stabile und kompakte Bauweise der Waagenbrücke, dadurch weniger Risiko für Durchbiegungen
- positive Auswirkungen auf Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Anlage
- bei der Montage der Betonteile kann durch die geteilten Gruben- und Brückenelemente ein kleinerer Autokran eingesetzt und somit Kosten gespart werden
Fazit
Die Kombination aus Flachwaage und Tiefwaage stellt eine interessante Lösung für Unternehmen der Entsorgungs- und Recyclingbranche dar. Sie verbindet die platzsparende Bauweise einer Unterflurwaage mit einer verbesserten Zugänglichkeit der Waagengrube und einem erhöhten Schutz der Wägezellen vor Wasser, Schlamm und Schmutz.
Besonders bei begrenzten Platzverhältnissen kann diese Bauart eine Alternative zu klassischen Überflurwaagen sein und zu einer höheren Betriebssicherheit sowie einer längeren Lebensdauer der Waage beitragen.









